Treestyler

Auf dieser Seite biete ich meinen Kunden an mir Bilder von Bäumen zu senden, von denen ich Skizzen vom möglichen Gestaltungsvorschlägen mache und ich mit Eurer Hilfe, also wir gemeinsam eine Art Baumtagebuch entwickeln. So kann ihr Lieblingsbaum in der Entwicklungsgeschichte dokumentiert werden und gleichzeitig auch mit anderen geteilt werden.

Bitte sendet mir Eure Bilder mit den 4 Ansichten, Infos wie Baumart, Höhe und Durchmesser.

Starten möchte ich hier mit meinem Lieblingsbaum!

 

Die Wege eines Baumes sind meist unergründlich. So auch die Geschichte (m)einer Kiefer Pinus Mugo, die den Weg als ausgegrabener Yamadori aus Südtirol über Umwege nach Deutschland zu Bonsai Minouru und letztendlich von mir wieder nach Hause geholt wurde.

 

Südtiroler Bergkiefer Minoru trifft Meister ABE

 

 

Die Geschichte meiner Berg-Kiefer (Pinus Mugo) beginnt mit einer 2 tägigen Bonsaireise des Bonsaiclubs Brixen. Einen Moment, dachte ich das wirklich.

 

 

 

Nochmal von vorne: MEINE GESCHICHTE dieser Berg-Kiefer (Pinus Mugo) beginnt mit einer 2 tägigen Bonsaireise des Bonsaiclubs Brixen. DIE GESCHICHTE DER KIEFER beginnt eigentlich mind. 50 Jahre vorher irgendwo in den Südtiroler Bergen, wo sie etliche Jahre später von einem Baumgräber ausgegraben wird und über Umwegen im Bonsai Zentrum Minoru bei Michael Tran landet. Dort verbringt sie von 2011 bis 2014 eine gute Zeit in Deutschland, bis sie von mir wieder nach Hause geholt wird. Lange war ich auf der Suche nach einer aussagekräftigen Kiefer: nicht zu massiv sollte sie sein, eine Herausforderung in der Gestaltung sollte sie sein und die Linienführung sollte meine Emotionen wecken.

Meine gärtnerischen und gestalterischen Fähigkeiten waren nach jahrelanger Weiterbildung bei Auer Othmar so weit, dass ich bereit war erstmals in einer höheren Preisklasse einen Pre-Bonsaikauf zu tätigen. Als ich die Kiefer auf den Regalen erblickte, fesselte mich der Anblick des gewundenen Stammes, ähnlich einer Python und ich kaufte den Baum. Der Baum wurde mit dem Reisebus zurück in die Heimat gebracht und entwickelte sich nach einem kleinen Rückschlag (durch die zu heißen Temperaturen im Kofferraum) dem einige Nadel und Äste zum Opfer fielen, prächtig. Die Totholzbearbeitung war die erste Arbeit, die von mir unmittelbar nach dem Kauf angegangen wurden. Hierbei leistete das Buch der Totholzgestaltung von F. Jeker großartige Dienste und bereits nach kurzer Zeit waren die Jin und Saftbahnen ausgearbeitet und werden seither der Zeit überlassen. Häufiges übersprühen mit Wasser bei starker Sonneneinstrahlung fördert die Alterung der Jin.

 

Jin 01 mit Saftbahnen

 

Die Jin-Bearbeitung 02: Es ist ein Drache mit Kopf; Maul, Augen und Zähne.

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Es entstanden Bilder und Vorstellungen der verschieden Gestaltungsmöglichkeiten im Kopf und bald kristallisierten sich 2 mögliche Vorderseiten heraus. Ich konnte den Baum drehen und wenden, wie ich wollte doch am Ende blieb ich immer bei den 2 gleichen Varianten hängen. Wobei ich bis heute nicht sagen kann, warum ich mich für die eine oder andere entschieden habe. Beide Vorderseiten hätten eine Chance verdient. Da es aber nicht 2 gleiche Bäume gibt, bringt es also nichts zu denken was wäre wenn ich den anderen Weg gegangen wäre.

Um eine klarere Vorstellung der Position der Krone zu erhalten, fertigte ich mir die Skizzen an und spielte mit den Längen der Etagen. Ich finde es sehr spannend und auch herausfordernd ein imaginäres Bild einer Gestaltung bzw. eines Baumes vom Kopf auf das Papier zu übertragen. Ebenso finde ich es sehr hilfreich sich in Büchern Vorlagenbilder von ähnlichen Bäumen zu suchen. Dies kann als Quelle der Inspiration dienen und gibt immer einen Impuls Neues auszuprobieren. Vor allem bei der Schalenwahl kann man sich als Anfänger eine Orientierung holen.

 

 

Vorlagenbild

 

Detail Drahtung der Äste

 

Am 6. September 2015 war die Zeit der Grundgestaltung gekommen und es war kein geringerer als Meister Abe Kenichi, der mit Hand bei der Gestaltung anlegte. Bereits bei der Baumbesprechung gemeinsam mit dem Meister, zeigte er sich vom Baum und von meiner ausgewählten Vorderseite begeistert. „Es ist gut, wenn die Vorstellung des Besitzers mit der Vorstellung des Meisters übereinstimmt, das gibt dem Baum Kraft und Selbstvertrauen!“, waren seine Worte. Da es schwierig ist in Worten die Emotionen so eines Workshops und der dazugehörigen Gestaltung zu übermitteln, schließe ich mit dem Zitat von Reg Revans:

„There is no learning without action, and no action without learning".

Das Ergebnis sehen sie auf den letzten Bildern.

 

 

Erstgestaltung mit Skizze zukünftiges Aussehen

 

Gruppenfoto von links: Bergkiefer, ich und Meister Abe

 

Als nächsten Schritt werde ich das Umtopfen in Angriff nehmen. Die Schale ist bereits ausgesucht.

Die weitere Entwicklung des Baumes in Bildern wird demnächst folgen...